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Die Flüchtlinge unter uns - wer sind sie?


Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch hat sich vorgenommen, Flüchtlinge, die es hierher nach Schermbeck verschlagen hat, zu interviewen und ihre Fluchtgeschichten festzuhalten. Ihre Veröffentlichung soll dazu beitragen, ein wenig mehr darüber zu erfahren, was für Menschen mit was für Geschichten und Problemen zu uns kommen und nun mit uns leben.

Schermbeck. Meine Interviewpartnerin ist diesmal Lana Naser. Sie ist 12 Jahre alt und hat zwei Brüder im Alter von 6 und 7 Jahren. Mit ihren Geschwistern und Eltern, ihrer Tante und deren Mann kam sie vor etwa einem Jahr nach Deutschland. Sie trägt ein Kopftuch und trägt es gern, so betont sie. Aber sie hat schon zu spüren bekommen, dass es auch in Schermbeck Leute gibt, die das Tragen des Kopftuchs ablehnen.

Lana hat Merle Romswinkel zum Interview mitgebracht. Merle ist nicht nur ihre beste Freundin. Sie ist auch ihre Klassenkameradin und „Patin“ in der 7d an der Schermbecker Gesamtschule. Sie sitzt im Unterricht neben ihr und darf Lana das, was sie im Laufe des Unterrichtes nicht sofort versteht, erklären. Es ist deutlich zu spüren, dass die beiden sich mögen und bestens verstehen.

Lana kommt aus Aleppo
Lana kommt mit ihrer Familie aus dem syrischen Aleppo, aus der Stadt, die wegen der andauernden Bombardierungen fast jeden Abend in den Nachrichten vorkommt, ein elendes Trümmerfeld, von dem man sich kaum vorstellen kann, dass dort noch Menschen leben können. Ihre Großeltern väterlicherseits sowie zwei Tanten leben dort noch – ohne Strom und ohne Wasser. Einen Markt, das lebendig-quirrilige Zentrum einer jeden arabischen Stadt, so Lana, gibt es nicht mehr, auch keinen Laden, kein Geschäft. Und wenn es irgendwo was zu kaufen gibt – Obst, Gemüse oder sonstige Lebensmittel -, dann ist es ungeheuer teuer. Gelegentlich bekommt man eine Kiste oder einen Karton mit Lebensmitteln – mit Lebensmitteln, so nehme ich an, die von den Hilfsgüterkonvois der UNO verteilt werden, wenn sie denn in die Stadt hineinkommen.

„Es war traurig und schwierig und lustig“
Dieses grausam zerstörte Aleppo, in dem kein Mensch seines Lebens sicher sein kann, hat Lana mit ihrer Familie vor etwas mehr als einem Jahr verlassen. Ein Auto brachte sie zunächst bis in die Nähe der türkischen Grenze. Weiter ging es zu Fuß.
Lana teilt das, was sie erlebt hat, in drei Kategorien ein: lustig, schwierig und traurig. Wenn sie etwas schwierig nennt, dann heißt das auch: Da war es gefährlich, da stand einiges auf dem Spiel, da hatte ich Angst!
Was jetzt kam, empfand sie als traurig und schwierig. Die Grenze zu überqueren, war traurig, weil es nun endgültig hieß, Opa und Oma, die Tanten, aber auch Freunde und Klassenkameraden, die vertraute Umgebung hinter sich zu lassen. „Schwierig“, gefährlich und strapaziös war es, weil sie nun auf und ab durch die Berge wanderten, ohne Pause. Schnell, schnell musste es gehen. Nicht einmal etwas trinken durften sie, erinnert sich Lana. Die ganze Zeit mussten sie auf der Hut sein vor türkischen Soldaten, denn von diesen entdeckt zu werden, bedeutete, zurückgeschickt zu werden.
Auf der türkischen Seite angelangt, brachte sie wiederum ein Auto nach Adana, von da aus ein Bus nach Istanbul. Dort wohnten sie nach der strapaziösen Flucht für ein paar ruhigere Tage bei Lanas Großeltern mütterlicherseits. Die waren bereits ein Jahr zuvor aus Aleppo in die Türkei geflohen.
Dann bricht Lanas Familie wieder auf. Mit dem Bus gelangt sie an die Westküste der Türkei, der die griechischen Inseln vorgelagert sind. In einem völlig überfüllten Schlauchboot setzen sie zu einer dieser Inseln über. Lana nennt diesen Teil wieder „schwierig“. Auch wenn sie lächelt, während sie davon erzählt, spüre ich doch etwas von der Angst, die sie damals gehabt haben muss. Lana kann nicht schwimmen – und sie schildert, wie sie sich vorgestellt hat, dass das überfüllte Boot umschlägt und sie mit all den anderen unter dem umgeschlagenen Boot gefangen ist...

Von der Türkei quer durch Europa bis nach Deutschland
Auf der griechischen Insel, so verstehe ich Lana, bleiben sie ein paar Tage – bis sie von einem Schiff ans griechische Festland gebracht werden. Mit dem Finger auf der Landkarte zeigt mir Lana, welche Länder sie dann anschließend durchquerten: Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österrreich. 15 bis 20 Tage, meint Lana, waren sie unterwegs.
„Schwierig“ wurde es bei der Überquerung einer der vielen Grenzen, die sie mit ihrer Familie überquerte. Lana meint sich erinnern zu können, dass es die griechisch-mazedonische gewesen sei. Da waren viele Flüchtlinge zu Fuß unterwegs. Immer wieder kam es zu dichtem, unübersichtlichem Gedrängel. Einmal fiel Lana hin, einmal lag ihre Tante plötzlich am Boden. In dem Gewühl kam man auch nicht wieder so schnell auf die Beine. Rücksicht wurde wenig genommen – auch nicht von der Polizei, die sich nicht scheute, gelegentlich vom Schlagstock Gebrauch zu machen.

„Lustig“ ging es dagegen irgendwo in Ungarn zu. Da hatte sie mit anderen syrischen Flüchtlingskindern, die mit ihr unterwegs waren, offenbar viel Spaß. Außerdem war da eine freundliche Frau, die sie mit in ihr Haus nahm und ihnen zu essen und zu trinken gab.
Daran, das ist deutlich wahrnehmbar, erinnert sich Lana gerne. Ihre hellwachen Augen glänzen.
In Deutschland angekommen, waren Lana und ihre Familie natürlich noch nicht sofort in Schermbeck. Aber es dauerte doch nicht allzu lang, bis sie an den Ort gelangten, an dem sie inzwischen fast ein Jahr zuhause sind. Heute trifft man Lana und ihre Familie am Fischerskamp an, ihre Tante und deren Mann im ehemaligen Ecco-Hotel.

Lana ist eine gute Beobachterin
Lana ist eine gute Beobachterin. Gefragt, was Schermbeck von Aleppo unterscheidet, muss sie lachen und meint: „Das ist komisch hier in Schermbeck. Hier sind kaum Leute auf der Straße. In Aleppo stellen die Leute einen Stuhl oder eine Bank vor die Tür, da sitzen sie, andere kommen vorbei, bleiben stehen, setzen sich dazu, man unterhält sich. Hier in Schermbeck sitzen alle zuhause.“ Auch fällt ihr auf, dass hier die Häuser in der Regel ein spitzes Dach haben. In Aleppo gibt es nur Flachdächer. Und meist sind die Häuser um einen Innenhof herum gebaut. Und außerdem: In Aleppo gibt es viele sehr alte Bauten, eine Burg, Moscheen... und es wird deutlich, dass sie es gewohnt war, von den Zeugen der jahrtausendealten und bedeutenden Vergangenheit und Tradition Aleppos umgeben zu sein. Viel davon liegt jetzt in Schutt und Asche. Lana aber wird die Bilder von ihrer einstmals beeindruckenden Heimatstadt in ihrem Gedächtnis bewahren.

Lana möchte Kinderärztin werden
Wer diesen Bericht bisher gelesen hat, wird den Schluss gezogen haben, dass Lana sich beim Interview ganz gut mitzuteilen wusste. Das ist auch so. Ich wäre stolz auf mich, würde ich – nach einem Jahr in einem arabischen Land – so gut die dortige Landessprache sprechen wie sie die unsrige. Man merkt: Lana lernt schnell, nimmt gut auf. Befragt, welche Fächer sie im Schulunterricht besonders gern hat, antwortet sie: Mathe und Sport! Ziele über die nächste Zukunft hinaus hat sie auch schon: Sie möchte Kinderärztin werden.
Bericht: Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch
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Schermbeck. Mein Interviewpartner heißt mit Vornamen Roozbeh. Er bittet mich, seinen Nachnamen hier nicht zu nennen und auf ein Foto zu verzichten. Er hat Angst, dass das Interview sonst negative Folgen für seine Familie haben könnte. Ihr hat er auf Grund seiner Flucht, so meint er, schon genug Ärger mit Polizei und Geheimdienst gemacht.
Roozbeh ist gerade 29 Jahre alt geworden und kommt aus Iran. Geboren wurde er in Schiraz, mit 1,5 Millionen Einwohnern die fünftgrößte Stadt des Landes, Hauptstadt der Provinz Fars, 700 km südlich von Teheran gelegen. 4000 Jahre alt soll sie sein. Zwei mächtige Königshäuser stammen von hier: die antiken Achämeniden und die Sassaniden, die bis in die Zeiten Mohammeds hinein regierten.
In dieser Stadt wächst er zusammen mit einer Schwester auf in einer muslimischen Familie, die – so verstehe ich ihn - ihren religiösen Wurzeln eher entfremdet ist und dem Islam gleichgültig bis kritisch-distanziert gegenüber steht. Auch der jugendliche Roozbeh findet in den Lehren des Islam keine Orientierung und im Laufe der Zeit immer mehr Gründe, ihn abzulehnen. Schon früh, so sieht er es in der Rückschau, sucht er nach etwas anderem, was ihm Halt geben kann.
Doch noch einmal zurück: 12 Jahre besucht Roozbeh die Schule, um anschließend an der Universität „Bauingenieurswesen“ - so übersetzt er es selbst – zu studieren. In diesem Bereich arbeitet er auch schon, als er mit dem Christentum in Berührung kommt und schließlich eine „homechurch“ (Hauskirche) besucht, eine kleine Gruppe von vier ehemaligen Muslimen. Jeden Freitag kommen sie zusammen. Etwa ein Jahr lang (bis zu seiner Flucht!) nimmt er an ihren geheimen Zusammenkünften teil. Dabei wird ihm zunehmend klar, dass er zum Christentum konvertieren möchte. Seine Familie respektiert seine Entscheidung - zumindest Vater, Mutter und Schwester.

Wenn ein Muslim zum Christentum konvertiert...
Die islamische Republik Iran allerdings ist mit einer solchen Entscheidung in keiner Weise einverstanden. Männliche Muslime, die zum Christentum konvertieren, müssen mit der Todesstrafe rechnen, Frauen erwartet u. U. lebenslanges Gefängnis.
Assyrische und armenische christliche Gemeinden, die ihre Gottesdienste in ihrer jeweiligen Sprache feiern, genießen einen gewissen Schutz. Geborene Perser aber gelten per se als Muslime. Dieser Logik folgend sind persisch-stämmige Christen automatisch Abtrünnige (Apostaten). Jede christliche Aktivität in Farsi, der persischen Sprache, wird als Gesetzesübertretung geahndet.
Ehemalige Muslime, die sich zum Christentum bekehrt haben, rechnet man aber inzwischen zur größten Gruppe unter den Christen im Iran. Diese können ihr Christsein – ständig von Verfolgung bedroht – natürlich nicht öffentlich leben und bezeugen. Deshalb gehen sie in den Untergrund. Sie schließen sich z. B. in kleinen „Hauskirchen“ zusammen, treffen sich heimlich in privaten Räumen.

Viele jugendliche Perser wenden sich vom Islam ab
In einem Artikel der „Frankfurter Allgemeinden Zeitung“ (FAZ) hieß es jüngst, dass Jugendliche im Iran vielfach die Wahrheit des Islams mit der Wahrheit der Herrschenden gleichsetzen und deshalb – in Ablehnung des rigiden Mullahregimes – nach Alternativen suchen und sich dann oft entscheiden, „anderen Glaubensrichtungen beizutreten. Liberale Muslime beschuldigen deshalb die herrschenden Dogmatiker, dass ihre Vorgehensweise zur massenhaften Abwendung der Bevölkerung, insbesondere der Jugendlichen, vom Islam geführt hat.“ (Amir Hassan Cheheltan in der FAZ vom 13. Juli 2016)
Die iranischen Machthaber aber geben nicht nach. Sie sehen im christlichen Glauben in erster Linie einen Ausdruck des verwerflichen westlichen Einflusses, eine unmittelbare Bedrohung der Errungenschaften der islamischen Revolution von 1979, geradezu eine Infragestellung der Identität des iranischen Staates. Sie meinen deshalb, sich gegen diesen Einfluss unerbittlich wehren zu müssen – auch unter Missachtung der Menschenrechte.

Roozbeh muss fliehen
Doch zurück zu Roozbeh, dessen Geschichte wir in dem beschriebenen Zusammenhang sehen und verstehen müssen. Sein Christsein bzw. sein Abtrünnigwerden vom Islam bleibt den argwöhnisch-aufmerksamen Organen von Polizei und Geheimdienst nicht verborgen. Bei einer Hausdurchsuchung findet man christliche Literatur in Farsi auf seinem Zimmer und entdeckt seine Mitgliedschaft in einer Hauskirche. Was die Konsequenzen sein können, ist ihm klar. Er muss fliehen. Wir befinden uns im Spätsommer 2014.
Er kann sich der Verfolgung durch die Polizei entziehen, aber nicht so ohne Weiteres das Land verlassen: Seinen Pass, so sagt er, hat man auf die schwarze Liste gesetzt. Würde er versuchen, über einen Flughafen das Land zu verlassen oder mit einem PKW die Grenze zur Türkei ordnungsgemäß zu überqueren, würde er sofort verhaftet.
Ein Onkel von Roozbeh findet einen Ausweg: Er bezahlt einen LKW-Fahrer, vermutlich einen Schlepper, der ihn außer Landes bringen soll. Das gelingt auch: Er sitzt in so etwas wie einem Käftig, umgeben von und verborgen durch alle möglichen Transportgüter. Er bekommt Luft. Er hat ausreichend zu essen und zu trinken. Mit einer Taschenlampe kann er sich gelegentlich Licht machen. Bewegen kann er sich kaum. Und das ganze 12 Tage lang. Um die Zeit zu verkürzen, nimmt er (erfolgreich!) Schlaftabletten. Um das Toilettenproblem halbwegs in den Griff zu kriegen, isst und trinkt er so wenig wie möglich. Darüber hinaus nimmt er Tabletten ein, die die Darmtätigkeit herabsetzen. Trotzdem muss diese Fahrt ein Grauen gewesen sein. Niemals mehr in seinem Leben, so betont er, würde er sich auf eine solche Tour bzw. Tortur noch einmal einlassen.
Welche Strecke er gefahren ist, welche Länder er durchfahren hat, weiß er nicht, kann er allenfalls mutmaßen. Nach 12 Tagen wird er irgendwo auf einem Parkplatz am Rande einer Landstraße abgesetzt. Es ist Nacht. Es ist kalt. Der Fahrer und der LKW verschwinden – mit seinem Pass. Er bleibt allein zurück und macht sich auf, um eine Stadt oder ein Dorf zu finden. Es dauert nicht lange, so verstehe ich ihn, da greift ihn die Polizei auf. Ob er wisse, wo er sich befinde, wird er u. a. gefragt. Er verneint. Man klärt ihn auf: In der Slowakei.

Die Zeit im slowakischen Flüchtinglager ist eine traumatisierende Erfahrung
In der Slowakei, das wird Roozbeh sehr schnell klar, ist er nicht willkommen. Die Menschen, mit denen er in Berührung kommt, lassen ihn das fast ohne Ausnahme deutlich spüren. In diesem Land will er nicht bleiben. Trotzdem muss er hier einen Asylantrag stellen, denn die Alternative hieße, in den Iran zurückgeschickt zu werden. Und das will er auf keinen Fall. Er stellt also den Antrag auf Asyl.
Daraufhin bringt man ihn in einem Flüchtlingslager in der Nähe von Bratislava unter. Es ist ein sehr kleines Lager mit nur etwa 15 Insassen. Sie kommen u. a. aus Syrien, dem Irak, aus Bangladesh und Pakistan. Auch ein palästinensischer Christ aus Bethlehem ist unter ihnen. Mit ihm freundet er sich an.
Sein neuer Freund begeht nun allerdings einen Fehler: Er gibt sich und Roozbeh gegenüber den anderen, ausschließlich muslimischen Flüchtlingen als Christen zu erkennen und äußert sich zugleich sehr kritisch gegenüber dem Islam. Das fördert die Beziehungen natürlich nicht. Im Gegenteil: Es kommt immer wieder zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. Er wird geschlagen, getreten, gedemütigt. Er hat Angstträume und schließlich das Gefühl, verrückt zu werden.
Das slowakische Personal kümmert sich nicht, greift nicht ein, so sagt er. Es scheint die Kämpfe und Auseinandersetzungen unter den Insassen des Lagers eher zu begrüßen und zu fördern. Verschärft wird die Situation noch dadurch, dass dieses Lager ein geschlossenes ist. Man kann das Lager nur auf Antrag und mit entsprechender Erlaubnis verlassen. Letztere wird nicht selbstverständlich erteilt. Roozbeh hat das Gefühl, in einem Gefängnis zu sein.
Während er von dieser Zeit erzählt, verliert er merklich die Fassung. Die Zeit in diesem Lager weckt in ihm offensichtlich die übelsten Erinnerungen. Er verlässt für einige Minuten den Raum, um wieder die Kontrolle über sich und seine Gefühle zu bekommen.
Nach 6 Monaten, so erzählt er, verbessert sich seine Lage ein wenig dank einer Psychologin, die einmal in der Woche ins Flüchtlingslager kommt. Sie erkennt seinen Zustand und vermittelt ihm einen unbezahlten Job in einem Architekten-büro. In der Woche kann er also jeden Tag das Lager verlassen. Ein Schrecken bleiben für ihn die Wochenenden. Dann sitzt er im Lager fest.

Roozbeh kommt nach Deutschland
Nach 8 Monaten kann er schließlich das Lager und zugleich die Slowakei verlassen. Erste Station ist das nicht sehr weit entfernte Wien. Doch er will weiter nach Deutschland. Deshalb tut er sich mit einigen Afghanen zusammen. Gemeinsam suchen und finden sie jemanden, der sie gegen Bezahlung über die Grenze nach Deutschland bringt.
Die einzelnen Stationen, die dann folgen, kann er nicht alle benennen. Er gelangt jedenfalls relativ bald nach Düsseldorf, wo er sich durchfragt – er spricht ein ziemlich gutes Englisch - nach der Ausländerbehörde. Am 15. September 2015, an dieses Datum erinnert er sich genau, stellt er hier in Deutschland erneut einen Asylantrag. Dieser Antrag ist bis heute noch nicht beschieden – weder positiv noch negativ.
Von Düsseldorf aus schickt man ihn zunächst nach Kerpen, wo er ganze 2 Monate bleibt. Von dort reicht man ihn weiter nach Kevelaer, wo er sich eine ganze Woche aufhält. Dann geht es für ihn weiter nach Schermbeck. Hier lebt er nun seit ungefähr 8 Monaten. Mehrere Male musste er umziehen. Ich treffe ihn im ehemaligen Ecco-Hotel an der Maassenstraße. Dort hat er ein Zimmer in der obersten Etage, wo außer ihm nur Familien untergebracht sind. Dort, so sagt er, ist es sehr ruhig. Dort fühlt er sich inzwischen ausgesprochen wohl.

Von Schermbeck nur Gutes
Über Schermbeck und die Schermbecker kann er nur Gutes sagen. Noch niemand ist ihm hier bisher feindselig oder unfreundlich begegnet, so sagt er. Er hat inzwischen einige afghanische Freunde. Sie sind Muslime. Aber das ist kein Problem. Religion, so haben sie entschieden, soll unter ihnen kein Thema sein.
Am Deutschunterricht hat er hier in Schermbeck offensichtlich regelmäßig teilgenommen. Es gelingt ihm auch immer wieder, ganze Sätze auf Deutsch zu formulieren. Auf Englisch kommunizieren wir miteinander, wenn es auf Deutsch nicht funktioniert.
Freudig berichtet er, dass jemand für ihn den Kontakt zur Essener Universität hergestellt hat. Stolz zeigt er mir seine Gasthörerkarte. Er hat dort schon Vorlesungen in seinem Fach gehört, hat auch schon an anderen universitären Veranstaltungen teilgenommen und die Universitätsbibliothek besucht und benutzt. So zeigt er mir ein Fachwörterbuch, das er dort ausgeliehen hat. In ihm sind die Fachbegriffe aus dem Bauingenieurswesen auf Farsi und Deutsch zu finden.
Im Augenblick freilich ruhen seine Aktivitäten an der Essener Universität, weil ihm inzwischen eine Arbeitserlaubnis erteilt wurde. Darüber hinaus vermittelte ihm das Jobcenter ein sechswöchiges, unbezahltes Praktikum, das ihn voll und ganz in Anspruch nimmt. Er fährt nun jeden Tag zweieinhalb Stunden mit dem Bus nach Düsseldorf, wo er jeweils (nur) sieben Stunden arbeitet, um noch den Bus zu erreichen, der ihn dann wieder in zweieinhalb Stunden zurück nach Schermbeck bringt. Das Busticket zahlt das Jobcenter. Ein voller Tag, den er da zu bewältigen hat. Aber er ist froh darüber, so beschäftigt zu sein – zumal er in einer Firma arbeitet, in der er sein Fachwissen im Bauingenieurswesen einsetzen kann. Freitags – das ist Teil des Praktikums – fährt er nach Dinslaken, wo er an so etwas wie einem Deutsch-Intensivkurs teilnimmt. Vier Wochen seines Praktikum hat er schon hinter sich gebracht. Er hofft sehr, dass man ihn anschließend übernimmt.

Roozbeh will getauft werden
Mein Interviewpartner hatte zwar schon im Iran Kontakt zu Christen und zu einer Hauskirche, wie oben berichtet, getauft ist er aber noch nicht. Das soll jetzt hier Schermbeck geschehen. Einmal wöchentlich trifft er sich mit Ekkehard Liesmann, dem Diakon der Katholischen Kirchengemeinde St. Ludgerus, zum Taufunterricht. Stolz berichtet er, dass er bereits mit Öl gesalbt worden sei. Zum Zeichen, dass er sich auf die Taufe vorbereitet und mit dem Heiligen Geist verbunden ist, so erfahre ich von Pfarrer Honermann, erhielt er an seinem 29. Geburtstag – im Rückgriff auf eine altkirchliche Tradition - die Katechumenensalbung.

Ein ganz normales Leben führen
Gefragt nach seinen Wünschen für die Zukunft, bekomme ich zur Antwort: Ein ganz normales Leben zu führen, einen Job zu haben, Geld zu verdienen, unabhängig zu sein von der Unterstützung irgendwelcher Ämter, eine eigene Wohnung zu haben, respektiert zu sein – das Wort Respekt fällt immer wieder! - und Freunde zu haben. Vor allem aber: In Deutschland bleiben zu dürfen! Hoffen wir für ihn, dass sich seine Wünsche erfüllen.
Bericht: Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch
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Schermbeck. Kwadwo Frimpong, von seinen Freunden Nana genannt, ist vierzig Jahre alt und kommt aus Ghana, genauer: aus der Stadt Wa. Und hier möchte ich gleich innehalten, denn Wa ist nicht irgendein verschlafener und unbedeutender Ort. Wa liegt im Norden Ghanas und ist die Hauptstadt der „Upper West Region“ und des „Wa Municipal District“. Zugleich aber ist Wa die Stadt, in der das Volk der Wala seinen Stammsitz hat. Hier residiert der König der Wala. Hier hat er seinen beeindruckenden, in traditioneller Lehmbauweise gebauten, Palast, umgeben von einer mit weißen Zinnen bekrönten Mauer.

Mein Interviewpartner gehört nicht dem Volk der Wala an. Sein Großvater zog aus einer deutlich südlicher gelegenen Region hinauf in den Norden, nach Wa. Aber er spricht doch das ortsübliche Wala, eine der 79 lokalen Sprachen und Idiome der vielen Ethnien Ghanas, darüber hinaus auch Ashanti, die Sprache der größten Bervölkerungsgruppe Ghanas, und Englisch, die Amtssprache auf Grund der kolonialen Vergangenheit des Landes. In Ghana spricht fast jeder mehrere Sprachen.
Wa (übersetzt „Kommt her!“) lag an einer wichtigen Handelsroute, die vom Sahelgebiet an die atlantische Küste führte. Über diese Handelsroute gelangte der Islam in den Norden Ghanas. Eine beeindruckende Moschee aus dem 15. Jahrhundert ist Zeuge einer weit zurück reichenden muslimischen Tradition in dieser Region. Noch heute ist Wa ein muslimisches Zentrum. Die Muslime sind hier eindeutig in der Mehrheit – in einem Land, das ansonsten mehrheitlich christlich geprägt ist.

Aufgewachsen in einem muslimisch geprägten Umfeld
In diesem Umfeld wuchs Kwadwo Frimpong in einer weitverzweigten muslimischen Großfamilie – mit einem Zwillingsbruder und einer Schwester – auf. 9 Jahre ging er zur Schule, so sagt er. Die allgemeine Schulpflicht besteht in Ghana aus einer sechsjährigen Grundschule und einem sich anschließenden Besuch der „Junior Secondary School“. Eine berufliche Ausbildung hat er nicht durchlaufen. Er arbeitete nach dem Schulabschluss in einem Geschäft mit einem, so verstehe ich ihn, sehr breitgefächerten Angebot. Radios und Fernseher habe er verkauft, auch Schlüssel und vieles andere mehr.
Vor 14 Jahren heiratete er. Er ist Vater von zwei Töchtern, die heute 9 und 13 Jahre alt sind. Die Ehe aber ging in die Brüche. Im Jahre 2007, also nicht lange nach der Geburt seiner zweiten Tochter, kam es zur Trennung. Zu seinen Töchtern, so sagt er, hatte er aber auch danach immer eine intensive und gute Beziehung.

Kwadwo Frimpong konvertiert zum Christentum
2012 konvertierte Kwadwo Frimpong zum Christentum. Er hatte im Fernsehen – zusammen mit seinem Zwilllingsbruder – immer wieder einen christlichen Prediger namens T. B. Joshua aus Nigeria gehört. Dieser beeindruckte und berührte ihn mit seiner Botschaft so sehr und so tief, dass er Christ sein wollte und sich auch als solcher betrachtete. Ohne getauft zu sein. Ohne wirklich im christlichen Glauben unterrichtet worden zu sein. Ohne einer konkreten Kirchengemeinde beigetreten zu sein.
Er bekannte sich – genauso wie sein Zwillingsbruder - in seinem muslimischen Umfeld wohl auch ganz offen zu seinem Christsein. Dies blieb nicht ohne Folgen.

In Ghana leben Christen und Muslime in der Regel friedlich miteinander
An dieser Stelle muss ich kurz unterbrechen. Ghana gilt als ein Land, in dem Muslime und Christen in der Regel friedlich zusammen leben. Das bestätigte mir auch mein Gesprächspartner. Kritisch wird die Situation aber immer dann, so sagt Kwadwo Frimpong, wenn ein Muslim zum Christentum konvertiert und damit abtrünnig wird.
Das entspricht Erfahrungen, die ich selber 2010/2011 in Jordanien gemacht habe. Dort können Christen in der Regel völlig sicher und unbedroht leben. Zu Weihnachten 2010 richtete der jordanische König eine Grußbotschaft an die Christen des Landes und betonte ausdrücklich, dass Christen zur Geschichte und Kultur dieses Landes gehören.
Dennoch hat die Deutschsprachige Evangelische Gemeinde von Amman, der Hauptstadt Jordaniens, den Beschluss gefasst, dass in ihr generell keine Personen getauft werden, die in irgendeiner Form einen muslimischen Hintergrund haben, weil dies für die betroffene Person selbst eine massive Bedrohung darstellt wie auch für die Gemeinde insgesamt.

Kwadwo Frimpong wird von seiner Familie bedroht
Nun weiter: Die Großfamilie – sein Vater, ein ehemaliger Polizeioffizier, war schon vor etlichen Jahren gestorben – konnte und wollte, so verstehe ich ihn, diesen Schritt nicht akzeptieren. Sie setzte ihn massiv unter Druck. Sie schüchterte ihn ein. Sie bedrohte ihn.
Seine Töchter, die er ebenfalls als Christinnen bezeichnet, brachte er angesichts dieser Situation in Sicherheit. Sie leben nun bei einer Bekannten in einem Ort namens Boko - von Wa, so meint er, etwa soweit entfernt wie Franfurt a. M. von Schermbeck.
Der Konflikt spitzte sich im Jahre 2014 so sehr zu, dass man ihm am Ende drohte, ihn zu erschießen. Er sah darauf hin keinen anderen Ausweg, als zu flüchten. Und zwar unmittelbar. Ohne jede Vorbereitung. Ohne sich mit seinen Töchtern oder seinem Zwillingsbruder darüber noch besprechen zu können. Nur mit seinem gesparten Geld im Portemonnaie, seinem Pass und einer Tasche mit ein paar Habseligkeiten. Dies alles spielte sich, so habe ich verstanden, im November 2014 ab.

Über die deutsche Botschaft nach Deutschland
Ziel seiner Flucht war zunächst Accra, die Hauptstadt Ghanas. Dort suchte er die Deutsche Botschaft auf, um ein Visum für Deutschland zu beantragen. Er war sich keineswegs sicher, dass er eines bekommen würde. Er versuchte es einfach. Mit Erfolg, so sagt er..
Den, der schon einmal auf die Internetseite der Deutschen Botschaft von Ghana geschaut hat, wird das wundern. Die Erteilung eines Visums ist normalerweise an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft (Buchungsbestätigung für Hin- und Rückflug, Hotelbuchung für Deutschland oder Nachweis einer sonstigen Unterkunft, Nachweis ausreichender finanzieller Mittel usw.)
Trotz entsprechender Nachfragen bleibt Kwadwo Frimpong dabei: Er bekam ein Visum – für einen 14tägigen Urlaubsaufenthalt in Deutschland. Mit einem Visum für Hin- und Rückflug gelangte er dann von Accra über Lissabon zum Hamburger Flughafen. Von dort gind es zum Hamburger Hauptbahnhof. Dort, so erzählt er, machte er Rast, setzte sich irgendwo hin und schlief ein. Als er wieder aufwachte, waren Portemonnaie, Pass und Tasche gestohlen. Völlig verwirrt lief er durch die Stadt. Schließlich wurde er von einigen grün uniformierten Männern angesprochen. Diese brachten ihn, so sagt er, zu einer Einwanderungsbehörde oder einem Flüchtlingsbüro, wo man ihn – so habe ich ihn verstanden – registrierte und ihm die Fingerabdrücke abnahm. Von Hamburg aus wurde er dann von einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge zur anderen verwiesen. So kam er über Dortmund, Essen und Wickede schließlich nach Schermbeck. Im kommenden Februar lebt er schon ein ganzes Jahr unter uns – mit einer „Aufenthaltsgestattung zur Durchführung des Asylverfahrens“.

„Manchmal muss ich zuviel denken.“
Ich habe ihn in seiner Bleibe besucht. In einer Wohnung, die dem katholischen Pfarrheim unmittelbar benachbart ist. Insgesamt sechs Flüchtlinge, allesamt junge Männer, sind hier untergekommen. Fünf kommen aus Ghana, einer aus Mali. Er teilt sein Zimmer mit zwei Landsleuten aus Ghana, einem Christen und einem Muslim.
Über seinem Bett hängt ein Crucifixus. Sein muslimischer Zimmernachbar war damit nicht einverstanden, aber er bestand darauf, die Umgebung seines Bettes frei gestalten zu dürfen. Die christlich-muslimischen Beziehungen sind hier nicht ganz spannungsfrei.


Wie es ihm hier in Deutschland gefällt? „Sehr gut, hier bin ich sicher“, lautet seine Antwort. Aber er fühlt sich einsam. Ein Lichtblick ist für ihn die wöchentliche Probe im dacapo-Chor der Schermbecker katholischen Kirchengemeinde. Die ist für ihn ganz wichtig. Da hat er offensichtlich ein kleines Stück Heimat gefunden.
Zum Deutschunterricht aber schafft er es nicht immer. Warum nicht? „Manchmal muss ich einfach zuviel denken“ sagt er. Als ich ihn frage, was genau er damit meine, verliert er die Fassung: Er weiß nicht, wie es seinen Töchtern geht. Er weiß nicht, ob sie dort gut versorgt werden und wirklich in Sicherheit sind. Er konnte sich nicht von ihnen verabschieden. Er hat inzwischen einen Freund in Accra telefonisch erreicht. Der will nun nach Boko fahren und nach seinen Töchtern schauen. Nun wartet er auf Nachricht. Ungeduldig. Es ist kaum auszuhalten.
Vor seinem Abflug von Accra nach Hamburg hatte er noch von Freunden in seiner Heimatstadt erfahren, dass nach ihm auch sein Bruder geflohen sei. Noch an demselben Tage. In die Ghana benachbarte Elfenbeinküste. Seitdem hat er nichts mehr von ihm gehört. Wie soll man lernen, wenn man keine Antworten findet auf all die Fragen, die einen Tag und Nacht quälen und nicht loslassen? Trotzdem: Kwadwo Frimpong weiß genau, wie wichtig es für ihn ist, Deutsch zu lernen. Er will es auch.

Kwadwo Frimpong möchte getauft werden!
Ich frage ihn, was er denn arbeiten wolle, wenn man ihn ließe. Immer nur herum zu sitzen, auf den nächsten Tag zu warten ohne Internet und Fernsehen, das ist nicht nur langweilig, das macht auch mürbe. Seine Antwort: „Ich würde gerne, solange ich noch kein Deutsch kann, in der Küche eines Restaurants das Geschirr spülen.“ Ein bescheidener Wunsch. Es wäre schön, wenn er sich realisieren ließe. Zunächst aber hat er noch einen anderen Wunsch: Er möchte getauft werden. Er möchte zur hiesigen katholischen Kirchengemeinde gehören!
Bericht: Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch
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Schermbeck. Ammar Jlilati, den ich in seiner Schermbecker Bleibe besuche, ist fast 28 Jahre alt, ist Kurde. Er spricht Kurdisch, natürlich, aber auch Arabisch, Türkisch, Englisch, ein bisschen Hebräisch – und ein paar Brocken Deutsch kommen ihm auch schon über die Lippen. Soviele Sprachen möchte ich sprechen können.

Gefragt nach seiner religiösen Zugehörigkeit, gibt er sich als Muslim zu erkennen, als Sunnit. Und er fügt ausdrücklich hinzu: „Aber ich bin offen für alle anderen!“ Und meint damit, so verstehe ich ihn, nicht nur seine schiitischen Glaubensbrüder, sondern auch Christen und Juden.

Ammar ist ein musikbegeisterter Mensch und mir fällt auf, dass zu seinen Favoriten auf diesem Gebiet abgesehen von Größen, die uns hier in Deutschland ebenfalls ein Begriff sind, auch israelische Sänger gehören. Zu unserer Überraschung stellen wir darüber hinaus fest, dass wir beide die lateinamerikanische Musik sehr lieben. So lade ich ihn ein zum nächsten Konzert in der St. Georgskirche, wenn es denn für ihn kein Problem ist, eine christliche Kirche zu betreten. Auf dem Programm steht lateinamerikanische Musik zur Weihnachtszeit. Er will kommen. Gerne.

Bis zu seiner Flucht vor etwa dreieinhalb Jahren war er in Syrien zuhause Mit seinen Eltern, einer Schwester und vier Brüdern lebte er in Aleppo, einer ehemals bedeutenden Handelsmetrople, einem Ort mit Geschichte. Bereits um 1900 v. Chr. wird Aleppo zum ersten Mal erwähnt. Es hat die Hethiter gesehen, Alexander den Großen, die Römer, war Teil des Byzantinischen Reichs usw.
In den zerstörten Häusern der Straße, in der seine Familie lebte, hockten Scharfschützen. Notgedrungen verbarrikadierte die Familie sich in ihrer Wohnung. War man gezwungen, irgendwelche Besorgungen zu machen, damit das tägliche Leben weitergehen konnte, so war dies eine Aktion auf Leben und Tod. Aber auch die verbarrikadierte Wohnung gab letztlich keine Sicherheit. Bei jedem Bombenangriff, immer, wenn ein Flugzeug oder Hubschrauber im Anflug zu hören war, lebte die Familie mit der Angst, dass ihr Haus Ziel des nächsten Angriffs sein könnte und gleich in Schutt und Asche liegt. Die Leserinnen und Leser dieser Geschichte, die sich noch an die Zeiten des zweiten Weltkriegs erinnern können, werden eine Vorstellung davon haben, von welchen Ängsten und Sorgen der Alltag in einer solchen Situation begleitet ist. Deshalb leben heute in den Trümmern von Aleppo nur noch die Ärmsten der Armen, die nicht einmal mehr Geld für eine Fahrt aufbringen können, die sie zur türkischen Grenze bringt. Alle anderen haben die Stadt inzwischen verlassen.

Ammars ältester Bruder verließ Syrien als Erster. Noch heute ist er in Istanbul zuhause. Ammar mit seinen Eltern und seinen beiden anderen Brüdern folgte ihm nach einer Weile dorthin. Nur die Schwester, die Älteste unter den Geschwistern, ist geblieben. Sie ist bereits verheiratet und Mutter von drei Kindern. Aber auch sie hat Aleppo verlassen. Sie floh mit ihrer Familie in den Norden Syriens, in kurdisches Gebiet. Sie lebt dort mit ihrer Familie unter äußerst schwierigen Bedingungen. Der telephonische Kontakt zu ihr, so sagt Ammar, ist Glücksache. Die Stromversorgung muss dann gerade mal wieder funktionieren. Und das ist keine Selbstverständlichkeit!

Zurück nach Aleppo zu gehen ist in diesen Tagen aber keine Alternative. Das entvölkerte Aleppo liegt in völlig Trümmern. Außerdem rüsten sich dort gerade Assads Armee, unterstützt von der (irangestützten) libanesischen Hisbollah, die dürftig ausgerüsteten Rebellen der „Freien Syrischen Armee“ und als dritte Partei kampferfahrene Mitglieder der IS-Terror-Miliz (vor allem aus dem Irak und aus Tschetschenien) zur nächsten Schlacht.

Ammar zog es von Istanbul weiter nach Deutschland. Schon als Jugendlicher hat er von Deutschland geträumt. Deutschland steht für ihn für Toleranz, für Offenheit gegenüber Menschen anderer Rasse, Kultur und Religion, für funktionierende staatliche Strukturen, für einen Staat, der in der Lage ist, Recht und Gesetz durchzusetzen und für Sicherheit sorgt. In Deutschland sieht er für sich mit seiner Ausbildung eine Zukunft. Er hat, wenn ich ihn richtig verstanden habe, einen Abschluss als Ingenieur für Metallbau und hat bereits die Erfahrung von einigen Jahren Praxis in seinem Beruf auf dem Buckel. Stolz zeigt er mir auf seinem Smartphone Fotos von den hoch modernen Anlagen, an denen er in Aleppo, als man dort noch leben konnte, gearbeitet hat.

Von der Türkei aus gelangte er mit einem Boot zur griechischen Insel Kos, wo er sich 12 Tage lang aufhielt. Er wurde dort einem Flüchtlingslager zugewiesen. Da er sich aber frei bewegen durfte, zog er es vor, irgendwo in einem Park unter offenem Himmel zu nächtigen. Die Lage im Flüchtlingslager empfand er als zu bedrohlich. Von der Insel Kos wurde er mit vielen anderen Flüchtlingen mit einem Passagierschiff zum griechischen Festland transportiert. Über Athen und Saloniki führte ihn seine Fluchtroute – zu Fuß, mit der Bahn oder mit dem Bus – über Makedonien, Serbien und Ungarn schließlich nach Deutschland. In Makedonien hatte man ihn mit seinem Rucksack seiner ganzen Habe beraubt. Besonders ungern aber erinnert er sich an den dann folgenden Aufenthalt an der serbischen Grenze. Dort ließ ihn mit vielen anderen erst am folgenden Tag passieren. So musste er dort die Nacht bei ziemlicher Kälte im Freien überstehen.

Nun wohnt er hier bei uns in Schermbeck. In einer Wohnung am „Alten Friedhof“ zusammen mit drei weiteren Syrern und einem Iraker. Wir sitzen während unseres Gesprächs in einem Raum, der zugleich Wohnzimmer, Küche und auch Schlafzimmer ist. An der Wand hinter mir stehen zwei Betten. Eines davon ist Ammars Schlafstätte. Das andere gehört dem irakischen Mitbewohner. Zur Ruhe kommen die beiden am Abend erst, wenn keiner aus der fünfköpfigen Wohngemeinschaft mehr Lust hat, Fernsehen zu schauen. Das stelle ich mir auf die Dauer nicht so ganz einfach vor.

Was er sich im Augenblick besonders wünscht? „To start my life!“ („Mit meinem Leben zu beginnen!“ oder „In mein Leben zu starten“) ist seine Antwort. Und er fügt hinzu, dass er sich nach ganz normaler alltäglicher Routine sehnt: Morgens zu einer festen Zeit aufzustehen, zu frühstücken, zur Arbeit zu gehen, nach Hause zu kommen... ein Leben zu führen, das durch seine täglichen Verpflichtungen und Gewohnheiten seine Struktur hat.
Aber ihm bleibt nichts anderes übrig, als zu warten, zu warten, zu warten – darauf, dass man ihn anhört, darauf, dass man ihn als Flüchtling anerkennt und das Bleiberecht zuspricht, darauf, dass er Arbeit findet, um schließlich in sein Leben starten zu können.
Bericht: Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch
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Schermbeck. Ali Rasouli, mein Interviewpartner, wird so manchem Schermbecker bekannt sein, weil er von ihm die Haare geschnitten bekam. Denn er ist Friseur und arbeitet im „Schermbecker Haarstudio“ von Muwafaq und Jutta Talib Hashim im Kerkerfeld. Er ist 29 Jahre alt, kommt aus Afghanistan, ist schiitischer Muslim und spricht Dari, die in Afghanistan gesprochene Variante des Persischen. Zu seiner Familie gehören neben seinen Eltern zwei Brüder und vier Schwestern.

Ali Rasouli wuchs auf in Herat, einer alten, bedeutenden Stadt im Westen Afghanistans unweit der Grenze zum Iran. Die kürzlich wieder aufgebaute Zitadelle aus der Zeit Alexander des Großen, ist das weithin sichtbare Wahrzeichen. Vom 15. bis 17. Jahrhundert galt diese Stadt als das Florenz Asiens. Es war eine Stadt, in der Literatur, Kunst und Kultur zuhause waren. Noch heute ist die Stadt von strategischer Bedeutung. Sie liegt an den Handelsrouten, die den Iran mit Indien, China mit Europa verbinden.

Schon als Kind begann er im Friseursalon seines Vaters zu arbeiten. Bereits mit 12 Jahren war er ein voll ausgebildeter Friseur und beherrschte sein Fach. Er lernte dabei auch, Perücken und Toupées aus Eigenhaar zu fertigen. Sollte ein Schermbecker in dieser Richtung Bedarf haben, hat er jetzt eine Adresse. Morgens ging der junge Friseur übrigens – bis zum Abschluss nach der 10. Klasse – zur Schule. Nachmittags arbeitete er an der Seite seines Vaters.

Als Jahre später amerikanische und italienische Truppen bei Herat stationiert wurden, fuhr er einmal in der Woche hinaus zu deren Militärcamp und scherte den Soldaten das Haupt. Auf meine Frage, ob er da nicht Probleme mit den Taliban bekommen habe, bekomme ich zur Antwort: „Ja, so ein bisschen...“

Dieses „bisschen“, so wird nach mehrfachem Nachfragen deutlich, meint etwas, was alles andere als harmlos war. In den Augen der Taliban war er eindeutig ein Kollaborateur. Und so passierte es denn eines Tages – er war mit seinem Auto unterwegs vom Militärlager zur Stadt -, dass ihm die Taliban, bewaffnet mit Kalaschnikows, auflauerten und ihn und sein Auto beschossen. Das Auto war anschließend ein Wrack. Er selbst landete im Krankenhaus. Während er davon erzählt, krempelt er sein rechtes Hosenbein hoch und zeigt mir die Narbe, wo eine Kugel der Taliban eindrang. Und es blieb nicht bei diesem Überfall. Er war, so verstehe ich ihn, dauerhaft der Bedrohung durch die Taliban ausgesetzt. Zeuge davon ist ein Drohbrief, den er von ihnen erhielt und den er noch heute hat – mit der Botschaft: „Beende deine Kollaboration mit den Amerikanern! Schließe dich uns an, den Taliban! Andernfalls....“ Fau Talib Hashim, die zu unserem Gespräch dazu kommt, meint: „Was wir in Action-Filmen sein, das hat er live erlebt! Man kann sich das kaum vorstellen.“

Ali Rasouli schloss sich den Taliban nicht an. Er entschied sich zu fliehen. Das war im Jahre 2011. Da war er 25 Jahre alt, bereits zwei Jahre verheiratet und seine Frau Leilah war schwanger. Gemeinsam verließen sie (mit einem Auto) Afghanistan über die nahe Grenze zum Iran und flogen dann von Teheran direkt nach Düsseldorf. Dass Deutschand das Ziel seiner Flucht sein sollte, stand für ihn – so erzählt er – von Anfang an außer Frage. In Deutschland – das war seine Vorstellung - würde er sicher sein, unbedroht, dort würde er eine Chance haben, Zukunft haben.
Möglich war die Realisierung der Flucht nur mit der massiven finanziellen Unterstützung der Familie: 30.000,00 € kostete ihn das Unternehmen (Visa, Transporte, Übernachtunen, Flüge... für zwei Personen), so sagt er.

Über ein Aufnahmelager in der Nähe von Bielefeld wurde er samt Frau und Kind recht bald – nach 25 Tagen – Schermbeck zugewiesen, wo die drei zunächst im Flüchtlingsheim an der Alten Poststraße unterkamen.
Inzwischen hat die Familie – dank der Unterstützung des Ehepaares Talib Hashim - Quartier und Ruhe gefunden in einer Wohnung am Alten Friedhof. Der inzwischen vierjährige Abolfazl, ein hübscher kleiner Kerl, geht in den Kilian-Kindergarten. Eine Aufenthaltserlaubnis hat die Familie auch. Stolz zeigt mir Ali Rasouli seinen Ausweis.
Und er ist sogar in der Lage, Witze zu machen: „Nachdem ich aus Afghanistan vor den Taliban geflohen bin, arbeite ich hier in Deutschland mit den Talib(an) zusammen“ - und spielt dabei an auf den Namen seiner Arbeitsgeber: Talib Hashim, denen begegnet zu sein er zutiefst dankbar ist. Sie haben ihm so etwas wie eine neue Heimat gegeben.
So scheint für Ali Rasouli, seine Frau Leilah, die zur Zeit ihr zweites Kind erwartet, und ihren Sohn Abolfazl alles gut gelaufen zu sein... wären da nicht die aktuellen Anschläge von Paris. Bisher fühlte sich die Familie in Deutschland willkommen, sicher, gut aufgehoben, voller Hoffnung. Aber wird das so bleiben? Wird die Stimmung in Bezug auf die Flüchtlinge kippen? Er scheint da so seine Zweifel, Ängste und Befürchtungen zu haben. Es wird auch an uns liegen, ob sie sich bewahrheiten.

Außerdem fehlen ihm natürlich die Eltern und Geschwister. Eine Schwester und eine Bruder haben Afghanistan ebenfalls verlassen. Der Bruder lebt nun in Rostock, die Schwester in Hamburg. Zu ihnen hat er engen Kontakt. Aber der Rest der Familie - Vater , Mutter und die übrigen Geschwister - sind immer noch in Afghanistan. Zumindest meistens. Ist die Sicherheitslage einigermaßen okay, halten sie sich in Herat auf. Wird die Lage wieder bedrohlich, verlassen sie Afghanistan in Richtung Iran, wo sie nahe der Grenze offensichtlich auch noch eine Bleibe haben. Gerne würde er sie besuchen. Nicht in Afghanistan. Da warten die Taliban auf ihn. Aber man könnte sich ja vielleicht irgendwo im Iran treffen. Aber das muss noch warten...
Bericht: Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch
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Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch schildert seine Beobachtungen
Schermbeck. Viele Schermbecker werden es mitbekommen haben: Zwei Schülerinnen der Schermbecker Gesamtschule – Leonie Groß-Fengels und Antonia Wiesner - haben sich unter Anleitung ihrer Lehrerin Stefanie Herbstritt im Rahmen von „Jugend forscht“ für ein ehrgeiziges Projekt zum aktuellen Thema „Flüchtlinge“ entschieden. Eine Frage, die sie in diesem Zusammenhang beantworten wollen, lautet: „Wie steht die Schermbecker Bevölkerung zum Flüchtlingsproblem?“ Dazu diente eine Umfrage – durchgeführt einmal vor dem Eingang zum Supermarkt REWE, ein anderes Mal an der St. Ludgeruskirche beim „Markt der Hilfe“. Bürgermeister Mike Rexforth und ich unterstützten und begleiteten die beiden Schülerinnen bei diesem Vorhaben.





Beim Pressetermin vor der Umfrage (Foto Scheffler v.l.):
Leiter der Gesamtschule Norbert Hohmann, Bürgermeister Mike Rexforth,
Schülerin Leonie Groß-Fengels, Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch,
Schülerin Antonia Wiesner, Lehrerin Stefanie Herbstritt



Deutliche Mehrheit war gern bereit, an der Umfrage teilzunehmen
Eine deutliche Mehrheit der Schermbecker, die wir ansprachen, war gern bereit, den Fragebogen auszufüllen und Auskunft zu geben über ihre Ängste und Befürchtugen, ihre Ideen, wie und wo sie helfen können usw. Viele erledigten das sofort. Etliche nahmen den Fragebogen mit nach Hause. Sie wollten ihn dort erstmal gründlich studieren. Einer der Befragten war so begeistert vom Einsatz und Engagement der beiden Jugendlichen, dass er ihnen ganz spontan einen Kakao spendierte. Eine wirklich nette, wärmende Geste angesichts der Kälte, in der die Umfrage vonstatten ging.

Manche koppeln sich ab vom gesellschaftlichen Diskurs.
Aber nicht alle waren so nett. Einige wehrten entschieden und brüsk ab. An einer Umfrage zum Thema „Flüchtlinge“ teilnehmen? Kommt gar nicht in Frage! Und dann kam es von etlichen fast wortgleich: “Was ich aufschreiben würde, das wollen Sie gar nicht wissen!“ Natürlich entgegneten die beiden Schülerinnen, dass sie an jeder Meinung interessiert seien, schließlich ginge es bei der Untersuchung darum, in dieser Frage ein halbwegs repräsentatives Bild unserer gegenwärtigen Schermbecker Gesellschaft zu ermitteln. Außerdem sei die Umfrage ja anonym.
Aber das alles half nichts. Ich habe den Eindruck, dass sich da manche von jenem gesellschaftlichen Diskurs, der für jede Demokratie grundlegend wichtig ist, verabschieden oder schon längst verabschiedet haben. Eine in meinen Augen sehr problematische und gefährliche Tendenz.

Kommen Sie mir nicht mit den Flüchtlingen...
„Kommen Sie mir nicht mit den Flüchtlingen. Ich muss mit 200,00 € im Monat auskommen. Und bei der Tafel, da bleibt für unsereins nichts mehr übrig. Um uns Deutsche kümmert man sich nicht, aber um die Ausländer.“ Eine der sehr aggressiven Äußerungen, die zu hören waren. Auch in diesem Falle war ein Gespräch nicht möglich und nicht gewollt.
In unserer Gesellschaft, die durch eine wachsende Kluft zwischen Reich und Arm gekennzeichnet ist, gibt es eine zunehmende Zahl von Menschen, die sich als Verlierer erleben. Sie haben das Gefühl, zu kurz zu kommen, dass ihnen das vorenthalten bleibt, was anderen zukommt, und dass der Staat sich nicht ausreichend um sie kümmert. Angesichts der Tatsache, dass in Funk und Fernsehen rund um die Uhr die Flüchtlinge das zentrale Thema sind, ist es verständlich, dass sich solche Menschen zunehmend weniger wahrgenommen fühlen und entsprechend aggressiv reagieren.
Die Verantwortlichen in Staat, Kirche und Gesellschaft sollten dieses Phänomen aufmerksam im Blick behalten und entsprechend mit ihm umgehen, sonst droht das gesellschaftliche Gleichgewicht in unserem Lande aus der Balance zu geraten. Manchmal würde es vermutlich schon hilfreich sein, wenn genauer darüber informiert würde, was und wieviel den Flüchtlingen, wieviel den Harz-IV-Empängern zukommt usw. Das würde manchen blühenden Phantasien vielleicht schon Einhalt gebieten.

Auch Deutsche flohen immer wieder in andere Länder.
„Wenn ich nichts zu brechen und zu beißen hätte, wenn ich meine Kinder nicht satt kriegen würde, dann würde ich auch auswandern – in ein Land, in dem sie eine Zukunft haben.“ Das war eine Äußerung vom anderen Ende der Skala, ein interessanter Perspektivenwechsel. Ja, was würden wir denn machen, wenn wir vom Hunger heimgesucht würden oder verfolgt und unterdrückt würden, keine Perspektive hätten für uns selbst und die Menschen, für die wir verantwortlich sind. Würden wir unser Schicksal einfach hinnehmen? Es ertragen und erdulden? Doch wohl nicht. Wir würden uns auch auf den Weg machen – wie Deutsche vergangener Jahrhunderte (aus dem Schwarzwald, aus dem Hunsrück...) es in Zeiten von Hunger oder Verfolgung auch immer wieder getan haben.

Perspektivenwechsel relativieren manches!
Derjenige, der im Notfall aus Deutschland flüchten würde, machte übrigens noch eine weitere interessante Bemerkung: „Wir sind ein Volk von ca. 80 Millionen Menschen und sollten eine Million Menschen oder auch ein paar mehr nicht aufnehmen können? Bei unserem Reichtum? Was sollen denn da die Jordanier sagen? Etwa 7 Millionen Einwohner hat Jordanien, ist ein bettelarmes Land und hat 2 Millionen Menschen aufgenommen!“ Die Zahlen stimmen vielleicht nicht ganz genau, kommen aber der Wahrheit sehr nahe. Was den Libanon angeht, so sieht dort die Lage ähnlich aus: Etwa 4,5 Millionen Einwohnern stehen da (nach dem letzten Stand der Dinge) 1.15 Millionen Flüchtlingen gegenüber. Schaut man sich das Verhälntnis zwischen Einwohner- und Flüchtlingszahl an, so liegt Deutschland an 50. Stelle, also wahrlich nicht gerade vorne! Jordanien, der Libanon und viele zum Teil viel ärmere Länder liegen da weit, weit vor uns.

Wie kann ich helfen? Was kann ich tun?
„Ich würde in dieser wirklich schwierigen Situation gern was tun. Aber ich bin beruflich zu sehr eingespannt. Außerdem brauche ich auch Zeit für meine Familie. Ich weiß nicht, wie ich das alles unter einen Hut bringen soll.“ Das ist sicherlich ein Problem vieler.
Mit dem, der sich so äußerte, kam ich in ein längeres Gespräch. Ich fragte nach seinem Beruf, nach seinen besonderen Qualifikationen – und sehr bald hatten wir eine Idee, wie und wo er seine besonderen Fähigkeiten einsetzen kann. Ohne seine anderen Verpflichtungen zu vernachlässigen. Wir tauschten unsere Telefonnummern aus und vereinbarten ein Treffen.
Bericht: Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch
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